Kleiner Leitfaden für den e-Mail-Verkehr
von Benedikt Hotze
Inhalt dieser Seite:
Einleitung
Format
Signaturen
Zitate
Attachments
Austauschformate
Virenwarnungen, Kettenbriefe und Hoaxe
weiterführende Links
Leserbriefe zu dieser Seite
E-Mailen ist so schön einfach. Die Standardsoftware
fürs Mailen ist bei neuen Computern meist schon vorinstalliert, und nach Eingabe
nur weniger persönlicher Daten funktioniert schon alles: Mails kommen an und
gehen raus. Ein wunderbares Medium, das für viele von uns in den letzten Jahren
zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel geworden ist. Aber gerade weil das
e-Mailen so eine eminente Bedeutung für den Alltag erlangt hat, sollte man sich
ein wenig mit der Technik und der Kultur dieses Mediums befassen. Denn bei aller
scheinbaren Einfachheit lauern auch etliche Fallstricke, die von vielen Anwendern
auf den ersten Blick nicht erkannt werden.
So machen sich viele von uns im täglichen Mailverkehr keine Gedanken darüber,
wie ihre Mails beim Empfänger ankommen. Das kann aber unter - gar nicht so seltenen
- Umständen bei diesem zu Ärger, Frustration und unnötigem Aufwand
beim Herunterladen, Lesen oder Entpacken der eingehenden Mails führen.
Das häufigste Missverständnis besteht darin, anzunehmen, dass der Empfänger
ebenfalls die eigene Kombination aus Betriebssystem (z.B. Windows 98) und Mailreader-Software
(z.B. MS Outlook Express) benutzt wie man selbst.
Ein entscheidender Grundgedanke des Internet (und damit des e-Mail-Verkehrs) ist
jedoch der der Plattform-Unabhängigkeit. Das bedeutet: Egal, ob ich MacOS, Linux,
MS-DOS ("Windows 95/98") oder Win32 ("NT"/"2000") benutze:
Mails sollen für alle hausinternen wie -externen User gleichermaßen lesbar
und nutzbar sein. Daher ist es erforderlich, sich bei der Konfiguration und Verwendung
der eigenen Mailreader-Software Gedanken darüber zu machen, ob die eigenen Mails
den Empfänger auch in der intendierten Darstellungsart und Lesbarkeit erreichen.
Dazu sollte man sich an die anerkannten technischen Standards des Internet (die so
genannten RFCs) halten. Diese sind in englischer Sprache verfügbar und sehr
technisch. Ich verzichte darauf, auf sie zu verweisen; statt dessen versuche ich
im Folgenden eine verständliche Erklärung.
Format
Das technisch korrekte Format für den Text ("Body") von e-Mails ist
und bleibt Plain-Text (purer Text, ASCII-Text). Es gibt keinen Grund, e-Mails mit
HTML, Netscape-"Visitenkarten" oder anderen proprietären Lösungen
zu formatieren oder "anzureichern". Im Gegenteil: Dies wird viele Empfänger
der Mail stören und behindern, weil die Daten in vielen Fällen als ärgerlicher
"Zeichensalat" ankommen, sofern der Empfänger nicht zufällig
das selbe Programm mit den selben Voreinstellungen benutzt wie der Sender.
Im übrigen erhöht sich die zu übertragende Datenmenge enorm, wenn
ein anderes Format als Plain Text gewählt wird. Manche HTML-Datei ist zehn Mal
so groß wie eine Textdatei - wohl gemerkt bei absolut identischem Textinhalt!
Kleine Datenmengen sind auch im Zeitalter von Standleitungen und Flatrates immer
anzustreben - mit Rücksicht auf die Teilnehmer, die langsamere und teurere Übertragungswege
nutzen müssen oder wollen (Mobiltelefone haben heute noch eine drastisch langsamere
Übetragungsrate als ein Standardmodem!).
Zum Thema "Format" gehört auch die formale Gestaltung, sofern sie
in diesem Medium unserer Macht liegt. Vermeiden Sie unbedingt alle "Mätzchen",
die Sie sich in einem herkömmlichen Brief auch verkneifen würden. Vermeiden
Sie insbesondere, ...
... Worte oder Texte nur in kleinbuchstaben zu schreiben (das ist nicht cool, sondern
einfach nur schlechter lesbar)
... Worte oder Texte nur in GROSSBUCHSTABEN zu schreiben (das gilt als "Schreien")
... Satzzeichen mehrfach hintereinander zu verwenden!!!!!!! ("Multiple exclamation
marks are a sure sign of a deseased mind"; Terry Pratchett)
Signaturen
Wer eine automatisch gesetzte Signatur (Name und Adresse etc.) an seine e-Mails anfügen
will, kann dies auch ohne proprietäre ("Netscape Visitenkarte") oder
HTML-basierte Lösungen leicht erreichen. Die gängigen Mailreader / Browser
erlauben auch eine solche Option - man muss sie nur einstellen. Bei erfolgreicher
Konfiguration wird dann jeder Mail der Inhalt einer harmlosen kleinen Textdatei,
die man zuvor angelegt hat, angefügt.
Signaturen sollten stets mit der Zeichenfolge "-- " (Minus Minus Leerzeichen)
vom Body der Nachricht abgetrennt werden. Diese Konvention aus dem Usenet ist auch
im Mailverkehr sinnvoll.
Zitate
Ein ganz entscheidender Vorteil des e-Mail-Verkehrs gegenüber herkömmlichen
Kommunikationswegen besteht darin, dass man Zitate (Quotes) des Vorredners in seinen
Antworttext derart einbinden kann, dass man darauf direkt antwortet. Idealerweise
ist es also so gedacht, dass man einzelne Textpassagen des Vorredners so herauslöst
(d.h. von überflüssigem Zitat"müll" befreit), um "Schlag
auf Schlag" direkt auf bestimmte Äußerungen antworten zu können.
Diese eigentlich im Internet-Sinne "richtige" Lösung würde allerdings
bedeuten, dass man die zu Grunde liegende Ursprungsmail "zerhackt", um
sie Satz für Satz beantworten zu können.
Eine andere Praxis besteht hingegen darin, dass man auf e-Mails oben antwortet und
die vorangegangenen Mails darunter in Gänze zitiert (in Newsgroups verpönt
als so genanntes "TOFU": "Text oben, Fullquote unten"). Auch
dafür gibt es nachvollziehbare Gründe, obwohl der Zugriff auf die zugrundeliegenden
Mail eigentlich durch die "Reference"-Verknüpfung des Mailreaders
gewährleistet sein sollte. Aber da man oft Mails auch an solche Empfänger
weiterleitet, die nicht in den gesamten bisherigen Diskussionsfaden ("Thread")
des Mailverkehrs eingebunden waren, erscheint diese Lösung im Mailverkehr ebenfalls
als akzeptabel.
Dennoch sollte man sich auch bei dieser Lösung bemühen, Redundantes (z.B.
Adresse, Grußfloskeln und Signaturen) zu löschen, bevor man seine Mail
abschickt.
Ganz entscheidend für die Verständlichkeit von e-Mails ist die technisch
korrekte Auszeichnung von Zitaten des oder der Vorredner(s). Nichts ist nervender
als die Suche nach Bezügen: Was ist nun Zitat, was ist neue Äußerung?
Leider gibt es gerade hier im Alltag ständig schwere Probleme, die den Sendern
der Mails oft nicht bewusst sind.
Zitate werden nach üblichen Internet-Konvention durch das am Zeilenanfang vorangestellte
Zeichen ">" gekennzeichnet (und bitte durch nichts anderes!). Diese
Kennzeichnung veranlasst viele Mailreader, so z.B. auch Netscape Messenger, die Zitate
auf Wunsch farblich herausgehoben darzustellen.
Beispiel korrekt:
Am 20. 20. 2020 schrieb Fritz Müller:
> Am 10. 10.
2020 schrieb Mutter Meyer:
>> Ich alte
Frau bin neu im Netz! Ich alte Frau bin neu im Netz! Ich
alte Frau bin
>> neu im Netz! Ich alte Frau bin neu im Netz!
> Schön
für dich, Mutter! Schön für dich, Mutter! Schön
für dich, Mutter! Schön für
> dich, Mutter! Schön für dich, Mutter!
Hallo Fritz, ich freue mich auch, dass deine Mutter auch "drin" ist! Hallo
Fritz, ich
freue mich auch, dass deine Mutter auch "drin" ist!
Gruß, Franz
Das Problem besteht nun darin, dass manche Mailprogramme Zitate beim Senden
nicht korrekt auszeichnen können, insbesondere, wenn es um verschachtelte Zitatreihen
geht. Oft wird nur die erste Zeile eines Absatzes korrekt gekennzeichnet, die folgenden
Zeilen jedoch nicht. Besonders fehlerhaft verhält sich in diesem Zusammenhang
"MS Outlook Express" (OE). In der Weiterverarbeitung von OE-generierten
Mails versagt jeder bekannte andere Mailreader; unleserlicher Zitatmüll ist
das Ergebnis bei jedem Empfänger, der ein anderes Programm benutzt.
Beispiel OE:
Am 20. 20. 2020 schrieb Fritz Müller:
> Am 10. 10.
2020 schrieb Mutter Meyer:
>> Ich alte
Frau bin neu im Netz! Ich alte Frau bin neu im Netz! Ich
alte Frau bin
neu im Netz! Ich
alte Frau bin neu im Netz!
> Schön
für dich, Mutter! Schön für dich, Mutter! Schön
für dich, Mutter! Schön für
dich, Mutter! Schön
für dich, Mutter!
Hallo Fritz, ich freue mich auch, dass deine Mutter auch "drin" ist! Hallo
Fritz, ich
freue mich auch, dass deine Mutter auch "drin" ist!
Gruß, Franz
Auch wenn dieses Beispiel hier noch harmlos aussehen mag - die Fehler addieren sich
bei mehreren verschachtelten Ebenen schnell bis zur Unlesbarkeit. Diese Zitat-Probleme
von OE lassen sich meines Wissens nicht einmal durch einen informierten Eingriff
in die Voreinstellungen des Programms beheben, sondern nur durch einen manuellen
Zeilenumbruch in jeder Zeile. Das macht natürlich niemand im Alltag.
Das Versenden von OE-generierten Mails stellt daher eine krasse Unhöflichkeit
gegenüber dem Empfänger dar, weil dieser diese Mails nicht mit automatischen
Mitteln korrekt weiterverarbeiten kann. Daher ist von der Verwendung von "Outlook
Express" im Mailverkehr strikt abzusehen. Näheres zu den schweren Fehlern
des Programms unter <http://www.wschmidhuber.de/oeprob/>
- dort zwar auf das Usenet gemünzt,
aber auch auf E-Mail anwendbar.
OE in Standardeinstellung belastet den Empfänger jedenfalls regelmäßig
mit vermeidbaren Problemen. Es gibt genügend bessere Mailreader: Niemand ist
gezwungen, mit OE zu arbeiten. Wer auf Grund von firmeninternen Lösungen ("Exchange
Server") auf OE nicht verzichten kann, ist dazu aufgerufen, bei allen nicht-firmeninternen
Mail-Anwendungen ein anderes, besseres Programm zu verwenden.
Es darf im übrigen davon ausgegangen werden, dass der Hersteller dieses Programms
solche Fehler absichtlich eingebaut hat bzw. bewusst nicht korrigiert. Damit verfolgt
er wohl das Ziel, die Verbreitung der eigenen Software zu befördern: Man erklärt
technische Fehler zum neuen Standard. Das Teuflische ist ja, dass OE-generierte Mails
bei OE benutzenden Empfängern korrekt aussehen...
Ob sich OE überhaupt den Konventionen entsprechend konfigurieren lässt,
entzieht sich meiner Kenntnis. Näheres ergibt sich möglicherweise aus einer
FAQ unter <http://oe-faq.de.vu/>, die aus
Beiträgen entsprechender Newsgroups zusammengestellt wurde - was ich aber nicht
näher prüfen wollte.
Attachments
Das System "e-Mail" erlaubt als besonderes Goodie das Anhängen von
Dateien an die Mail (Attachments).
Ein Attachment sollte man nur dann anhängen, wenn man eine bestimmte Datei in
ihrem jeweiligen Format verschicken will - zum Beispiel, weil der Empfänger
diese Datei erwartet und in exakt diesem Dateiformat weiter verarbeiten will.
Planlos ein Attachment anzuhängen, das den eigentlichen Textinhalt der Mail
enthält und lediglich "schöner" formatiert ist, stellt dagegen
eine Unhöflichkeit gegenüber dem Empfänger dar, weil dieser längere
Ladezeiten hat und erst eigens ein Programm starten muss, um das Attachment lesen
zu können.
Also: Die inhaltliche Botschaft einer e-Mail gehört grundsätzlich in den
Body der Mail; ein Dateianhang (Attachment) dient lediglich dazu, in begründeten
Fällen Dateien zur Weiterverarbeitung zu transportieren.
In firmeninternen Netzwerken sollte man also besser einen Verweis auf die Lage eines
Dokuments auf dem Fileserver mailen, anstatt das Dokument als Anhang (Attachment)
mitzuschicken. Eine deutliche Entlastung des Mailservers ist die Folge - ganz zu
schweigen von denjenigen Kollegen, die ihre gesamten Mails zuhause per (ggfs. privat
kostenpflichtiger) Modem-Einwahl erneut abrufen (müssen), weil sie halt auch
von zuhause aus arbeiten (müssen).
Ganz wichtig noch der folgende Hinweis in umgekehrter Richtung: Wer Mails mit angehängten
Dateien empfängt, prüfe vor dem Öffnen des Anhangs, ob er diese
Sendung eigentlich erwartet. Bei irgendwelchen Zweifeln setze man sich zuvor mit
dem Sender in Verbindung. Das Öffnen von Dateianhängen obskurer Beschaffenheit
oder Herkunft kann dramatische Folgen haben - Stichwort Viren. Vorsicht ist auch
dann geboten, wenn man den Absender kennt und für vertrauenswürdig hält
- manche Viren veranlassen die ungefragte Versendung von e-Mails, ohne dass der "Absender"
dies bemerkt.
Austauschformate
Besonders gedankenlos ist es, bestimmte Dateiformate (z.B. MS Word, ".doc")
ungefragt an Empfänger zu versenden, ohne zu wissen, ob diese die Datei überhaupt
öffnen können. MS Word ist kein genormtes Austauschformat! Viele Empfänger
weigern sich aus Gründen des (Makro-) Virenschutzes völlig zu Recht, ungefragt
empfangene ".doc"-Dokumente zu öffnen. Das ungefragte Versenden
von "Word"-Dokumenten als Anhang ist eine grobe Unhöflichkeit im Netz!
(Näheres dazu hier:http://www.subotnik.net/misc/doc.html.)
Wer unbedingt formatierte Textdokumente verschicken will, sollte daher auf ein übliches
Austauschformat zurückgreifen, z.B. auf ".rtf" (Rich Text Format).
Nahezu jede Textverarbeitungsapplikation kann dieses Format lesen und auch erzeugen;
Probleme mit (Makro-) Viren gibt es bei diesem Format nicht.
Sehr gut geeignet ist auch das ".pdf"-Format (Portable Document Format).
Dies erlaubt es, formatierte Seiten mit Texten und Grafiken plattformunabhängig
zu transportieren. PDF-Dokumente lassen sich u.a. mit dem kostenlosen "Acrobat
Reader" darstellen, der auf Wunsch auch als Plug-In in den Browser integriert
werden kann.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass es mit den Austauschformaten
RTF und PDF auf der Windows-Plattform in bestimmten Fällen auch schon zu Problemen
mit Viren gekommen ist. Näheres dazu im News-Archiv der Zeitschrift "c't":
http://www.heise.de/newsticker/data/pab-01.03.00-001/default.shtml
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-29.04.97-000/default.shtml
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-02.05.97-000/default.shtml
Diese Hinweise zur Virenproblematik bei Austauschformaten verdanke
ich Markus Fischer.
Virenwarnungen, Kettenbriefe und Hoaxe
Wer am e-Mail-Verkehr teilnimmt, wird früher oder später unweigerlich zum
Empfänger von Kettenbriefen. Kettenbriefe sind Mails, die in bester Absicht
gleichlautend an einen großen Empfängerkreis versandt werden. Die Absender
bitten jeweils darum, diese Mail an den eigenen Bekanntenkreis weiterzuleiten, die
Botschaft also exponentiell weiter zu verbreiten. Dabei kann es zum Beispiel über
eine neueste Virenwarnung gehen, um ein verschwundenes Kind in Baden-Württemberg
oder um einen unheilbar Kranken, der sich angeblich sehnlichst wünscht, von
überall aus der Welt Postkarten zu empfangen.
Dazu ist festzustellen: Wie rührend oder einleuchtend der Inhalt auch immer
klingen mag, solche Ketten-Mails sind grundsätzlich zu ignorieren, jedenfalls
keinesfalls weiterzuleiten. Dies gilt erst recht, wenn es sich um Angebote handeln
sollte, durch Kettenbriefsysteme Geld zu verdienen.
Die mit solchen Phänomenen vertrauten Fachleute der Netzgemeinde sind sich einig:
Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, tut dies nicht per Kettenmail, weil dieses Mittel
dazu untauglich ist. Die Versendung von Kettenmails gilt als eine grobe Unhöflichkeit
im Netz; deren Weiterleitung ist ein Zeichen von Uninformiertheit. Den (mitunter)
berechtigten inhaltlichen Anliegen des ursprünglichen Initiators nützen
sie so gut wie nichts; sie verärgern und belästigen aber Zigtausende von
Unbeteiligten. Im Extremfall können solche in Schneeballmanier weitergeleiteten
Meldungen das System e-Mail insgesamt lahmlegen.
Dies gilt insbesondere bei Warnungen vor Computerviren: Die allermeisten per Kettenmail
verbreiteten Virenwarnungen sind sachlich-technischer Unsinn und damit so genannte
Hoaxes (hoax: engl. für Zeitungsente, Fehlmeldung). Die exponentielle Weiterverbreitung
solcher Hoax-Mails ist dann selbst der Virus! Die Initiatoren delektieren sich daran,
dass ihre (in aller Regel falsche oder veraltete) Warnung von gutgläubigen Menschen
hektisch an alle erdenkliche Empfänger aus ihrem jeweiligen Mail-Adressbuch
weiterversandt wird.
Aktuelle Virenwarnungen sind nur dann Ernst zu nehmen, wenn sie gezielt und tagesaktuell
vom eigenen Systemadministrator verbreitet werden und sich auf Websites von glaubwürdigen
Computerzeitschriften verifizieren lassen, z.B. bei Heise.
Mehr Infos zu Hoaxes und falschen Virenwarnungen gibt es auf den Seiten der TU
Berlin.
weiterführende Links:
- zum Thema e-Mail allgemein: Boris 'pi' Piwinger: "Mail
- eine Einführung"
- erheiternd und sehr wahr: die 35
Goldenen Regeln für schlechte E-Mails von Lars Kasper
- eine FAQ zum E-Mail-Missbrauch
(Spam und wie man sich dagegen wehrt) aus der Newsgroup de.admin.net-abuse.mail
- sehr technisch, aber interessant: FAQ
"E-Mail-Header lesen und verstehen" von Thomas Hochstein
- Infos zu Hoaxes und falschen Virenwarnungen per Mail bei der TU
Berlin.
Benedikt Hotze
Zu dieser Seite erhielt ich folgenden engagierten Leserbrief
von Rainer Halstenbach. Der Autor ist mit der Veröffentlichung seines Briefs
hier ausdrücklich einverstanden; er bittet lediglich darum, seine e-Mail-Adresse
nicht zu nennen. Dieser Bitte komme ich selbstverständlich nach.
Eine kleine Kommentierung im Anschluss konnte ich mir allerdings nicht verkneifen.
Subject:
Re: Daher ist von der Verwendung von "Outlook" im Mailverkehrstrikt
abzusehen.
Date:
Sun, 13 Aug 2000 13:54:05 +0200
From:
Rainer Halstenbach <xxx@xxx.xx>
To:
hotze@baunetz.de
References:
1
Body:
Ja klar, 500 Millionen Anwender sind "schlecht" und benutzen das "schlechte"
Outlook. Gott hilf!
Um er vorwegzunehmen: ich bin kein Microsoftfan, im Gegenteil, aber ich habe
selten so gelacht wie beim Lesen Ihrer "Mailregeln"! Offensichtlich verwechseln
Sie
die Usenet Netiquette (die auch veraltet ist) mit den Regeln der EMail.
---
> Ob sich "Outlook" überhaupt den
Konventionen entsprechend konfigurieren lässt,
> entzieht sich meiner Kenntnis.
---
Nicht nur das entzieht sich Ihrer Kenntnis. Die erwähnten Konventionen (alles
Usenetregeln) passen nicht in den Kontext und sind darüberhinaus bestenfalls
vom Stand 1965 o.ä. Besitzen Sie eine Zeitmaschine, oder woher haben Sie diesen
lächerlich veralteten Mist her?
Zunächst einmal in Sachen Outlook und Standard: Ein Standard wird NICHT
dadurch definiert, weil es "immer schon so war", sondern ein Standard wird
dadurch definiert, wie etwas "die meisten" Anwender "machen".
Insofern ist Outlook
Standard, im Verbund mit Netscape Messenger, und einigen ebenfalls
hervorragenden EMail-Clients wie Eudora oder auch Pegasus. Alle diese
Programme beherrschen HTML und das wird zu Recht auch als Standard definiert.
Das muß man nicht groß begründen, wer sieht, was mit HTML möglich
ist, wird
nicht weiter nach Gründen fragen.
Ein weiteres, ebenso witziges wie sinnloses Zitat:
---
> Besonders gedankenlos ist es, bestimmte Dateiformate
(z.B. MS Word, ".doc")
> ungefragt an Empfänger zu versenden, ohne zu wissen, ob diese die Datei
> überhaupt öffnen können. MS Word ist kein genormtes Austauschformat!
Viele Empfänger
> weigern sich aus Gründen des (Makro-) Virenschutzes völlig zu Recht,
ungefragt
> empfangene ".doc"-Dokumente zu öffnen. Das ungefragte Versenden
von
> "Word"-Dokumenten als Anhang ist eine grobe Unhöflichkeit im
Netz!
---
So ein Schwachsinn! Wieso sollte ausgerechnet das Word-Format (als eines von
tausenden!) eine "grobe Unhöflichkeit" darstellen? Vorneweg: es gibt
GAR KEIN
genormtes Austauschformat - jeder Softwarehersteller versucht (mit
unterschiedlichen Mitteln) das von ihm präferierte Format als "Standard"
zu
etablieren. Und wenn jemand ein Word-File verschickt, dann will er kein
"standardisiertes" Format verschicken, sondern ein Word-File. Genau so,
als wenn
er ein Wave, eine Bitmap, ein Video oder sonstwas verschickt - eben das,
was zum Kontext paßt. Wieso sollte als einziges von vielen Formaten das
*.doc-Format nicht erlaubt sein? Wohl nur, wenn man eine "Anti-Bill-Gates"-Schraube
im Kopf
sitzen hat!
---
> Sehr gut geeignet ist auch das ".pdf"-Format
(Portable Document Format). Dies
> erlaubt es, formatierte Seiten mit Texten und Grafiken plattformunabhängig
zu
> transportieren. PDF-Dokumente lassen sich u.a. mit dem kostenlosen "Acrobat
> Reader" darstellen, der auf Wunsch auch als Plug-In in den Browser integriert
> werden kann.
---
Aahh! Daher weht der Wind: das PDF-Format (eine Eigenerfindung von Adobe) soll
hier das Rennen machen. Das ist also der Standard? Das wird Adobe freuen, warum
auch nicht. Und weil es umsonst ist, ist es "Standard". Aha. Merke: "Standard"
kann
nur sein, was umsonst ist! Frage: welches ist das "Standard" Betriebssystem
für
IBM-PCs (resp. Clones), also "die" PCs? By the way: für Word-Dateien
bietet
Microsoft seit Anno-Dunnemal schon einen kostenlosen "Reader" an - aber
der
gefällt wohl nicht?
Ich benutze selbst kein Outlook, habe aber in der Firma schon oft damit gearbeitet.
Es ist ein ausgezeichneter EMail-Client, der sich vor keinem anderen zu verstecken
braucht. Es gibt natürlich auch andere gute Clients, jeder hat seine Stärken
und Schwächen.
Outlook als ungeeignet zu empfehlen ist gedankenlos und falsch (solche Worte von
mir(!), wo ich wirklich KEIN Bill Gates Fan bin. Aber soviel Dummheit auf einmal
ist
noch schlimmer als Bill Gates).
Ich schlage Ihnen vor, auf jegliche elektronische Kommunikation zu verzichten (weil
sie kein Standard ist, zumindest nicht nach dem Telekommunikationsgesetz von 1862)
und
stattdessen auf die bewährte und standardisierte Kesselpauke zurückzugreifen.
Mit trommelnden Grüßen
Rainer Halstenbach
Mein Kommentar zu diesem Leserbrief:
Der Schreiber behauptet:
> 500 Millionen Anwender sind "schlecht" und benutzen das "schlechte"
Outlook.
Diese Behauptung ist ad hoc zunächst nicht widerlegbar.
Dass 500 Millionen Menschen moralisch schlecht sein sollen, schwante mir zwar schon
seit langem, ich konnte es aber wissenschaftlich bisher nicht verifizieren. Der Leserbriefschreiber
lieferte mir nun einen wichtigen empirischen Beleg: Er stellt sich selbst als "schlecht"
dar. Honi soit qui mal y pense...
In seiner Not buhlte der Leserbriefschreiber daraufhin nach metaphysischem
Beistand:
> Gott hilf!
Dieser blieb ihm nach unseren Erkenntnissen bislang jedoch verwehrt, denn er behauptet
weiterhin unhaltbaren Unsinn. Siehe unten.
> Um er vorwegzunehmen: ich bin kein Microsoftfan, im Gegenteil
Diese Selbsteinschätzung unseres Leserbriefschreibers
klingt auf den ersten Blick wie ein mutiges Statement wider die herrschende Meinung
(nur: Wie mutig muss man eigentlich sein, um Bill Gates doof zu finden?). Tatsächlich
handelt es sich um einen wohlfeilen verbalen Entlastungsschlag, denn im folgenden
bringt er lupenrein Micro$oft-fromme Argumente:
> ein Standard wird dadurch definiert, wie etwas "die meisten" Anwender
"machen".
> Insofern ist Outlook Standard.
Wir wollen hier mal zu Gunsten unseres Leserbriefschreibers
annehmen, dass ihm die notorischen Praktiken der unbeliebtesten Firma des Computerbusiness
nicht bekannt sind. Denn nach dieser Praxis wird eine möglichst komplizierte,
proprietäre Lösung mit Hilfe der hohen Marktdurchdringung so lange unter
die Leute gepeitscht, bis man ihnen den technischen Unsinn als "Industriestandard"
verkaufen kann.
> Alle diese Programme beherrschen HTML und das wird zu Recht auch als Standard
definiert.
HTML ist eine Seitenbeschreibungssprache für den
grafischen Zweig des Internet, das World Wide Web. Dort hat es seine Berechtigung
und seine Verdienste; dort ist es in der Tat "Standard".
In e-Mails, einem technisch völlig anderen Protokoll, hat HTML nichts zu suchen;
daran ändert auch die Tatsache nichts, dass viele populäre Mailreader-Programme
HTML (als Alternative) heute auch lesen und erzeugen können.
Nochmals: Natürlich können die meisten Menschen HTML-kodierte e-Mails vernünftig
darstellen. Aber es sind keineswegs nur die Netz-Spinner und Technik-Konservativen
mit reinen Plaintext-Mailreadern, die sich dadurch gestört fühlen. Wenn
kein anderes Argument (wie dramatische Bandbreiten- und Mailserver-Kapazitäten-Verschwendung)
mehr hilft, dann bringe ich hier nun eines, dem sich auch der Leserbriefschreiber
nicht verschließen wird: Senden Sie mal eine HTML-kodierte SMS vom Computer
auf das Mobiltelefon Ihrer Freundin. Wie Sie wissen, sind da nur 160 Zeichen erlaubt.
Wollen Sie einen Großteil dieser Zeichen durch HTML-Steuerbefehle aufbrauchen,
um Ihrer Freundin damit dennoch unlesbaren Mist zuzumailen? Die wird sich bedanken.
> Offensichtlich verwechseln Sie die Usenet Netiquette (die auch veraltet ist)
mit den Regeln der EMail.
Hier fand keineswegs eine Verwechslung statt, sondern
es wurde eine technisch plausible Analogie bemüht.
Die Behauptung, dass die Usenet-Netiquette (die Plaintext statt HTML empfiehlt /
vorschreibt) veraltet sei, kann der Leserbriefschreiber nicht begründen. Wie
auch? Sämtliche usenet-notorischen FAQs und Netiquette-Sammlungen zumindest
im Bereich der de.*-Hierarchie sind da unisono anderer Meinung als der Leserbriefschreiber.
Offensichtlich gibt es im Usenet einen technischen Grundkonsens, der von der überwältigenden
Mehrheit der regelmäßigen Teilnehmer dort bis zum heutigen Tag verteidigt
wird. Wie war das noch oben mit der Definition von "Standards"? Etwas,
was "die meisten Anwender machen"? Sic.
Apropos die meisten Anwender. Ich spießte die
Unart auf, ungefragt Dateianhänge im M$-"Word"-Format mitzuschicken.
Besonders Presse- und Werbeagenturen neigen dazu, die Botschaft ihrer Mail nicht
im Body unterzubringen, sondern in einer formatierten Word-Datei. Der Leserbriefschreiber
hat dieses Problem dadurch vom Tisch gewischt, indem er festgestellt hat:
> es gibt GAR KEIN genormtes Austauschformat - jeder Softwarehersteller versucht
> (mit unterschiedlichen Mitteln) das von ihm präferierte Format als "Standard"
zu etablieren.
Damit hat er (fast) Recht! Um so unverständlicher
ist es da, dass er vor dem Hintergrund des skizzierten Problems behauptet:
> Und wenn jemand ein Word-File verschickt, dann will er kein
> "standardisiertes" Format verschicken, sondern ein Word-File.
Er will uns doch nicht ernsthaft weismachen, dass ein durchschnittlicher Windoof-DAU,
der Word-Files verschickt, dies im komplexen Wissen um Dateiformate tut. Diese Leute
tun das im Alltag doch vielmehr, weil sie auf Grund ihres beschränkten EDV-Horizonts
glauben, alle anderen Leute könnten dieses Format ebenfalls lesen und weiter
verarbeiten!
Genau dagegen wand ich mich aber und empfahl plattformunabhängige Austauschformate
wie RTF oder PDF. Unserem Leserbriefschreiber fiel dazu nicht mehr ein, als diese
Formate als ebenfalls proprietär zu entlarven:
> Aahh! Daher weht der Wind: das PDF-Format (eine Eigenerfindung
von Adobe) soll
> hier das Rennen machen. Das ist also der Standard?
Und? Was haben wir mit dieser Erkenntnis gewonnen? Alternativen schlägt der
Leserbriefschreiber ja nicht vor. Wir müssen also davon ausgehen, dass er das
unangemeldete Verschicken von Datei-Anhängen im "Word"-Format für
normal und nicht kritisierenswürdig hält. Hoffentlich weiß er, dass
sogar innerhalb der MS-DOS-Plattform ("Windows 3.1 / 95 / 98") die unterschiedlichen
Versionen dieses Programm-Monsters keineswegs kompatibel sind, von anderen Plattformen
wie Mac oder Unix/Linux ganz zu schweigen.
Weiß er doch? Na, dann wird er bestimmt zu plattform- und applikationsübergreifenden
Austauchformaten raten. Tut er nicht? Diese Formate sind ihm zu proprietär?
Ach so.
Na, dann kann man ihm ja eigentlich nur noch empfehlen:
> Ich schlage Ihnen vor, auf jegliche elektronische Kommunikation
zu verzichten
> und stattdessen auf die bewährte und standardisierte Kesselpauke zurückzugreifen.
Dem habe ich nichts hinzuzufügen, allenfalls noch
den Hinweis, dass mich seine Mail in einem Format erreichte, das mir das Glätten
von "Kammquotes" abverlangte. Sie werden mir dankbar sein, dass ich Ihnen
diese notorische Fehlfunktion des vom Leserbriefschreiber verwendeten Programms hier
erspart habe.
Benedikt Hotze, 13. 8. 00
Nun blieb es nicht bei diesem einen Leserbrief. Zuspruch kam von Gerrit
M. Albrecht, der mir ebenfalls die Veröffentlichung
seines Briefes explizit genehmigte:
Date:
Sat, 19 Aug 2000 23:50:49 +0200
From:
"Gerrit M. Albrecht" <gerrit@wh3-207.st.uni-magdeburg.de>
Subject:
E-Mail-Leitfaden ...
Hallo Herr Hotze,
habe eben Ihren Leitfaden für den E-Mail-Verkehr gelesen.
Ich kann Ihrem Text nur voll und ganz zustimmen und hoffe
Sie bekommen nicht allzuviele Briefe wie den am Schluss
zitierten :) Ich werde das Dokument zumindest als
Argumentlieferant benutzen.
Viele Gruesse,
Gerrit Albrecht
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